DIE SOMMERSCHLACHT VON RSHEW

Die vierte Schlacht. Ende Juli/Mitte Oktober 1942.

 

Durch das erfolgreiche Unternehmen „Seydlitz" hatte sich die 9. Armee den Rücken freigekämpft und die lebensgefährliche Bedrohung durch die im Winter eingebrochenen russischen Armeen beseitigt. Es blieb jedoch kaum Zeit zum Atemholen. Fieberhaft mußte gearbeitet werden, um die neu gewonnene Front verteidigungsbereit zu machen, um die Verbände zu ordnen und aufzufüllen, um den notwendigen Ersatz an Waffen herbeizuschaffen und um die für die bevorstehenden Kämpfe notwendigen Vorräte an Munition und Verpflegung anzulegen. Die deutsche Führung rechnete, wie sich zeigen sollte, sehr zu Recht, mit einem bald einsetzenden neuen Großangriff der Russen.

Bisher hatte der Gegner bei Rshew einen Mißerfolg nach dem anderen erlebt. Trotzdem gab er nicht nach und verfolgte weiter sein Ziel, die deutsche Mittelfront zu vernichten. Auch lockte der vorspringende Block der 9. Armee zum Zangenangriff geradezu heraus. Andererseits sollte die Offensive gegen Rshew seine Südfront gegen den deutschen auseinanderklaffenden Angriff Stalingrad/Kaukasus entlasten, jedenfalls das Abziehen deutscher Truppenteile nach Süden verhindern. In der Winterschlacht um Rshew hatte er sein Ziel durch Einsatz von Menschenmassen zu erreichen versucht, jetzt sollte durch Massen­einsatz von Menschen u n d Material die Vernichtung der deutschen Mittelfront erzwungen werden. 41 Schützen-Divisionen, 15 Schützenbrigaden, 38 Panzer-Brigaden mit über 3 000 Panzern, Tausende von Geschützen und sehr starke Luftwaffenverbände traten Ende Juli 1942 zum Großangriff gegen die Bollwerke Rshew und Ssytschewka an. Diese sollten zuerst aus der Armeefront herausgebrochen werden und dann durch Stoß auf Wjasma und Smolensk die Heeresgruppe Mitte zerbrechen.

Der Befehl der russischen Kalininer Front lautete:

„Befehl für die Soldaten der Kalininer Front.
27. Juli 1942                Nr. 105                Operierende Armee

Unsere Heimat erlebt schwere Tage. Das deutsche Heer wirft sich mit Verbissenheit auf die Lebenszentren unseres Landes. Die Banditenhorde Hitlers versucht, ungeachtet aller Opfer, zu den Industriezentren Wolga-Stalingrad, unserem Kubaner Weizen und unseren Ölquellen zu kommen. Die gewachsene Widerstandskraft und Organisation der Roten Armee zwingt den Feind, nicht nur die Hauptkraft, sondern auch die Reserven in den Kampf zu werfen. Genossen, Soldaten, Offiziere und Politarbeiter der X-Armee! Der Feind ist stark in den Süden unseres Landes eingedrungen. Man muß ihn zum Stillstand bringen und vernichten. Jeder Schlag, den wir dem Feind, auf welcher Front es auch sei, zufügen, bringt die deutschen Okkupanten dem vollständigen Verfall näher.

Ein starker energischer Schlag, den wir dem Feind in unserem Bezirk zufügen, wird sich im Süden und in Woronesh auswirken und direkte Hilfe der Roten Armee sein, indem er den Druck der deutschen Faschistenhorde aufhält.

Ich befehle:

1. den Offizieren, Soldaten, Politarbeitern aller Waffengattungen, Infanteristen, Artilleristen, Angehörigen der Panzerwaffe, Fliegern, Granatwerfern, M.G.-Schützen und Panzerzerstörern tapfer und schnell den feind anzugreifen, die Verteidigungslinien des Feindes zu durchbrechen sowie seine technischen Waffen zu vernichten und energisch die Banditen zu verfolgen, bevor sie zur Besinnung kommen.

2 die Stadt Rshew zu nehmen.

Tapfere Männer der x-Armee! Ihr habt die Deutschen nicht nur einmal geschlagen, Ihr zwangt sie, aus Klin zu fliehen, indem der Feind seinen Rückzug mit Tausenden von Toten besäte. Ihr habt zusammen mit anderen Teilen der Roten Armee die Einnahme von Moskau verhindert. Die Heimat glaubt an Euch und hat Euch eine heilige Aufgabe gegeben: die Gruppierung der Rshew-Front des Feindes zu zersprengen und dadurch den heldenhaften Kämpfern im Süden zu helfen, die eingedrungenen Frechlinge, die deutsche Besatzung zu vernichten. Rächt Euch an dem blutgierigen Tier für die Leiden und Tränen Eurer Verwandten und Bekannten, für die entehrten Sowjetbürger, für die abgebrannten Städte und Dörfer, sowie das zerstörte Glück unserer Kinder. Vernichtet ohne Mitleid die Soldaten und Waffen der faschistischen deutschen Armee. Folgt dem Beispiel der heldenhaften Verteidiger Moskaus, die die anstürmenden deutschen Heere durch Gegenangriff vernichteten. Ahmt deren Tapferkeit, Tollkühnheit sowie Verbissenheit im Kampf gegen den Feind nach l Vorwärts für die Heimat! Vorwärts für Stalin! Vorwärts tapfere Soldaten! Gebt dem Lande die alte Stadt Rshew wieder l Tapfer voraus auf Rshew!

3. Dieser Befehl ist jeder Kompanie, Batterie und jedem Kommando vorzulesen.

Befehlshaber der Armee der Mitglied des Kriegssowjets Kalininer Front: der Kalininer Front:

Generaloberst Konew.                Kriegskommissar Leonow.

Chef des Stabes
Generalleutnant Sacharow.

Der Russische Angriff auf die Stadt Rshew

 

Nach einer Artillerie-Vorbereitung von 11/2 Stunden brach am 30. Juli um 8.00 Uhr die russische Infanterie, unterstützt durch Panzer und Luftwaffe, nördlich Rshew vor. Einige Stunden später dehnte sich der Angriff des Feindes auf die Ostfront nördlich der Wolga aus. Es gelang der Roten Armee, an der Nordfront auf der Naht der 256. und 87. Infanterie-Division einen Durchbruch zu erzielen.

Uberall Alarm! So auch bei der 6. Infanterie-Division (General Großmann), die mit letzten Teilen erst am 24. Juli aus ihrer Stellung nordostwärts Rshew in ihrem Auffrischungsraum westlich Ssytschewka eingetroffen war. Marschbefehl: Sofort beschleunigt nach Rshew zum Vl. Korps (General Bieler) zurück. Das erste greifbare Bataillon, I./58 unter Oberstleutnant Hollinde, quälte sich in dem durch einen 48-stündigen Regen in einen Morast verwandelten Gelände ohne Fahrzeuge mit freigemachten Waffen und mit nur soviel Munition, wie jeder tragen konnte, zum Verladebahnhof Ssytschewka. Dort traf es um 6.00 Uhr (31. 7.) ein, wurde verladen (russische Flieger widmeten dem Bahnhof jetzt und in der kommenden Zeit eine höchst unangenehme und unerwünschte Aufmerksamkeit) und erreichte 11.30 Rshew.

Es war bereits dunkel (19.45 Uhr), als der Kommandeur des Regiments 58 (Oberst Furbach), der mit seinem I. Bataillon unverzüglich nach Rshew geeilt war, vom Vl. Korps unmittelbar den Befehl erhielt, den ostwärts Galachowo in Richtung Punkt 195,9 durchgebrochenen Gegner zu vernichten und die alte Hauptkampflinie wiederzunehmen. Ihm wurden unterstellt: außer seinem I. Bataillon die bereits gegen den Einbruch eingesetzten beiden Pionierkompanien 743, eine RAD-Abteilung

und zwei Sturmgeschütze der 256. Division (General Danhauser). Oberst Furbach hatte nur seinen Adjutanten (Oberleutnant Hüttmann, er fiel) und einige Melder zur Verfügung. Trotz der Dunkelheit gelang es ihm, alle im Gelände zerstreuten Einheiten bis auf die beiden Sturmgeschütze einzufangen, bereitzustellen, wobei es bereits zu Zusammenstößen mit dem durchgebrochenen Gegner kam, und um 0.30 Uhr (1. 8.) zum Angriff anzutreten. Mit vorbildlichem Schwung stürmte die Truppe bei leichtem Regen trotz erheblichen Widerstandes des Feindes im Nahkampf drei russische Linien, in die sich die Russen eingegraben hatten, und schloß die Lücke nördlich Polunino.

Am 31. Juli wurde die Aufklärungs-Abteilung 328 (Major v. Kalben) der 328. Division in Rshew ausgeladen, der 256. Division unterstellt und am linken Flügel dieser Division als rechter Nachbar des Regiments 58 in Gegend Gribojewo eingesetzt. Hier kämpfte sie tapfer und hingebungsvoll, bis sie am 15.8., zu einem kleinen Häuflein zusammengeschmolzen, den Befehl erhielt, auf das Südufer der Wolga überzusetzen.

Weiter westlich war auch gleich am ersten Tag der Offensive das Bataillon des Majors Frhr. v. Recum der 251. Division (General Burdach) verladen und nach Rshew gefahren worden, wo es am 31. Juli der 87. Division (General v. Studnitz) zugeführt wurde. Nach mehreren sich widersprechenden Befehlen rückte das Bataillon in der Nacht zum 1. August nach Martjukowo zum Regiment 187. Auf dem Marsch dorthin wurde ihm eine Kompanie genommen und sofort zum Angriff angesetzt. Sie nahm im schneidigen Angriff einen Teil von Gorbowo und Fedorkowo ganz. Das Bataillon v. Recum selbst (ohne eine Kompanie) griff um 3.00 Uhr (l. 8.) Chanino an, sehr gut unterstützt durch eine schwere Artillerie-Abteilung und ein Sturmgeschütz, stürmte das Dorf und übergab es befehlsgemäß dem Nachfolger.

Am 2. August war die Lage bei Gory Kaseki sehr ernst. Sechs Feindpanzer rollten durch das Dorf, in dem ein Bataillon verzweifelt kämpfte und von den Russen eingeschlossen wurde. Gerade hatten sich etwa 90 Mann des Bataillons v. Recum gesammelt, da erhielt v. Recum den Befehl, mit 2 Sturmgeschützen Gory Kaseki zu nehmen, das eingeschlossene Bataillon zu befreien, dann den Gegner bei Punkt 201,4 aufzurollen, den ganzen Abschnitt der bisherigen Besatzung zu übergeben, sofort nach Martjukowo zurückzukehren und die vordere Linie zwischen Gorbowo und Bernikowo abzulösen. Mit vorbildlichem Draufgängertum erledigte das Bataillon alle löste in vorderer Linie ab und t - unter den Befehl des Regiments 233 der zog. Division. Das Regiment 233 hatte am Abend vorher das Regiment 187 abgelöst. Die ihm nunmehr anvertraute Stellung hielt das Bataillon v. Recum in sehr harten Kämpfen,bis es nur noch aus einem Offizier und 22 Mann bestand und am 10. August herausgezogen wurde. Der Einsatz der oben erwähnten drei Truppenteile zeigt, wie kritisch die Lage war, und wie mit gerade eintreffenden Einheiten unter Zerreißen der Verbände der Kampf geführt werden mußte.

 

 

Der russische Angriff

 

Inzwischen war die ganze 6. Division im Brennpunkt der Schlacht nördlich Rshew zwischen der 256. und 87. Division eingesetzt worden. Täglich stürmten die Russen gegen die deutschen Stellungen an, so auch am 4. August. Uni 13.45 Uhr stießen russische Bomber in bisher noch nicht aufgetretener Zahl auf Polunino herab. Ungeheure Detonationen verschütteten zum großen Teil die Deckungslöcher, das Dorf stand in Flammen und dicke Qualmwolken wälzten sich über die Stellungen, die von einem Orkan von Artillerie- und Granatwerfergeschossen zertrommelt wurden. Da rasselten 10, 20, 30 russische Panzer (T 34 und KW 1) auf und über die Stellung, und pausenlos rollten die Angriffe der sowjetischen Infanteristen heran, oft bis zu siebenmal am Tage. Aber die deutschen. Kämpfer, die sich in der Erde festgekrallt hatten, so gut es in dem nassen Boden ging, deren Uniformen, Hände und Gesicht dieselbe Farbe zeigten, hielten in ihren Löchern aus und trennten die russischen Schützen von ihren Panzern. Hierbei half getreulich die Artillerie, die aus dem Rohren herausschoß, was aus ihnen herausging und soweit Munition vorhanden war. Oft konnte sie den russischen Infanterieangriff bereits im Entstehen zerschlagen; ohne sie wäre ein Halten der Stellung nicht möglich gewesen. Und hinter der Infanterie standen die Pak und FlakKampftrupps, fuhren die Sturmgeschütze gegen die russischen

Panzer und vernichteten sie, so allein am 5. August beim Regiment 58 einundzwanzig, hauptsächlich T 34. Nahkampftrupps in und hinter der Hauptkampflinie sprangen bei jeder sich bietenden Gelegenheit die Panzer an, zum Beispiel am 5. August der Gefreite Schulte-Strathaus (Regiment 58), der zwei in der Hauptkampflinie stehende Russenpanzer mit Minen sprengte, Unteroffizier Siekmann (Regiment 18), der drei T 60 abschoß und Leutnant Herber (Pionierbataillon 6), der zwei T 34 und am 7. August einen weiteren vernichtete.

 

 

  

 

 

Trotz der schweren Kämpfe bei der 6. Division zwischen Polunino und Gory Kaseki mußte die Division am 4. August die 111. Abteilung des Artillerie-Regiments 6 an die 161. Divison im Raum Subzow - dort war der Gegner ebenfalls zur Offensive angetreten - und am 6. August die Reiter-Schwadron der Aufklärungs-Abteilung 6 zur Bahnsicherung nördlich Ossuga abgeben.

Ebenso wie die 6. Division hatten an der Nordfront von Rshew rechts die 256. und links die 87. Division immer wieder wuchtige Vorstöße der Russen abzuwehren. Die Stadt Rshew lag tagsüber unter sehr starkem, schweren Artillerie-Feuer, das mit Eintritt der Dunkelheit durch rollenden Bombenwurf abgelöst wurde. Hauptziel waren die Wolgabrücken, über die der Nachschub an Reserven, Gerät, Munition und Verpflegung sowie der Abtransport der Verwundeten gehen mußte. Was in diesem Inferno der Melder, der Nachrichtenmann, der Fahrer der Pferdewagen und der Kraftfahrzeuge geleistet haben, war einstilles, entsagungsvolles und oft unbeachtetes Heldentum. Es verdient, der Vergangenheit entrissen und als leuchtendes Vorbild opferbereiten Soldatentums gerühmt zu werden.

 

 

Die Wolga Brucke in Rzhew

 

 

Am 10. August traf, von seinem Genesungsurlaub zurückgeholt, Generaloberst Model bei der Armee ein und fand eine Situation vor, die kaum mehr zu meistern war. Sofort war er wieder an der Front. Mit raschen, knappen Fragen, die stets den Kern trafen, verschaffte er sich einen Überblick über die Lage. Die Antwort mußte kurz und präzise sein. Wehe dem Kommandeur, der über seinen Abschnitt nicht genau im Bilde war. Jeden Versuch, sich herauszureden, schnitt Model schroff ab. Ja-Sager, die ihm zum Munde reden wollten, erkannte er auf den ersten Blick. In Krisenlagen verlangte er, daß sich der Führer persönlich in den Mittelpunkt der Gefahr stellte, wie er es selbst auch tat. Nur der dürfe das Äußerste von der Truppe verlangen, der selbst das Äußerste für sie hergebe. Seine Befehle waren kurz und unmißverständlich. Er wirkte schroff und hart. Im innersten Kern seines Wesens von tiefer warmer Herzlichkeit, verbarg er seine sensible, feinfühlige, weiche Natur gegen alle nach außen hin. Mit schöpferischer Erfindungsgabe fand er immer neue Mittel und Wege des Helfens. Und die 9. Armee hielt.

An diesem Tage brannte es an der ganzen Nordfront. Nach planmäßiger Feuervorbereitung ab 4.30 Uhr durch Artillerie aller Kaliber, durch Masseneinsatz von Stalinorgeln, Bomberverbänden und Jabos bis weit ins Hintergelände, setzte sich die russische Feuerwalze in Bewegung. Ihr folgten die Panzer, untereinander gestaffelt, sich gegenseitig gegen die Nahkampftrupps deckend. Sie schossen die Besatzungen der einzelnen Löcher, die sich gegen die folgende Infanterie wendete, ab oder walzten die Löcher zusammen. Die eigene Luftwaffe, die unermüdlicheArtillerie, die sich restlos einsetzenden Sturmgeschütze, die Flak-Kampftrupps, die Pak und die Infanterie-Geschütze, sie alle halfen nach Kräften den vorn kämpfenden Infanteristen, Pionieren und Reitern. Von 5.15 Uhr folgte ein Angriff dem anderen bis 18.30 Uhr.

Unendlich hart waren die Kämpfe. So stand am 10. August die Aufklärungs-Abteilung 328 auf dem linken Flügel der 256. Divi sion im schweren Kampf, ebenso anschließend nach links alle anderen Verbände. Deutsche Bomber trafen eine feindliche Bereitstellung, trotzdem griffen die Russen an. Einbruch wechselte mit Gegenstoß. Einen besonders schneidigen Gegenstoß führte die 2. Kompanie des Pionier-Bataillons 6 aus. Der Bataillons-Kommandeur, Hauptmann Thummes, fiel, aber 25 Feindpanzer blieben auf der Strecke. Weiter links beim Regiment 18, dem Bataillon v. Recum und dein 111./Regiment 37, der gleiche harte Kampf, bei dem 14 russische Panzer vernichtet wurden. Aber die Stellung hielt, wenn auch mit letzter Kraft. Der Gegner kam nicht durch. Einmal waren es Männer aus den Trossen und Versorgungstruppen, die zum Gegenstoß antraten, einmal stopften zurückgehaltene Urlauber eine Lücke. Den Gegenstoß führte meist der Zugführer mit seinen Meldern oder der Kompanieführer mit seinem Kompanietrupp oder der Bataillons-Kommandeur mit seinem Stabe oder der RegimentsKommandeur mit einigen schnell zusammengerafften Männern. Die Abwehr kostete Nerven vom Oberbefehlshaber der Armee bis zum jüngsten Führer. Die Uberlegenheit der Russen war ewaltig. Vor der 9. Armee lagen am 14. August (12.00 Uhr) 47 Schützen-, 5 Kavallerie-Divisionen, 18 Schützen- und 37 Panzer-Brigaden.

Am 20. August endlich mußte die 256. Division dem übermächtigen Druck der Russen nachgeben und auf das Südufer der Wolga zurückgehen. Dies zwang auch die rechts von ihr kämpfende 14. mot. Division am 21. August das Nordufer der Wolga zu räumen. Ihr gelang es, mit all ihrem schweren Gerät und allen Waffen auf der zwischen Rshew und Subzow gebaut en Brücke bei Matjukowo den Uferwechsel durchzuführen.

 

 

 

Auf dem Nordufer der Wolga vor der Stadt Rshew standen weiterhin in schwerem Kampf die 6. Division mit Teilen der 129. Divisionen und links anschließend die 87. Division.

Während im Süden der Ostfront der Kaukasus erreicht war und auf dem Elbrus die deutsche Kriegsflagge wehte, war am 24. August bei Rshew Großkampftag.

 

Ein Feuerorkan von Artillerie, Granatwerfern und Salvengeschützen, verstärkt durch einen ungeheuerlichen Bombenhagel, brach auf die 6. und 87. Division herab. Auch ein EisenbahnPanzerzug beteiligte sich an dem Kampf gegen die deutsche Front. Über dem Schlachtfeld lagerte eine Wolke von Staub und Rauch, die immer wieder durch die grellen Blitze der detonierenden Granaten und Bomben zerrissen wurde. Haushoch schleuderten die explodierenden Geschosse Erdklumpen in die Luft. Das Donnern der Flugzeuge verschmolz mit dein peitschenden Knall der 8,8 cm Geschütze, mit dem Krachen des Artilleriefeuers, dem Hämmern der Maschinengewehre und dem Dröhnen der Panzermotore. Der Lärm der schweren Waffen verschlang das Knattern der Infanteriegewehre und Maschinenpistolen. Die Drahtnachrichtenmittel zerfetzte dieses rasende Feuer im Nu. Ein Flicken war trotz des beispielhaften Einsatzes der Nachrichtenmänner unmöglich.

Uberall Angriffe mit Panzern! Die Verluste mehrten sich. Ein Angriff folgte dem anderen, dem Einbruch der Gegenstoß. Unmenschliches leistete der deutsche Soldat. Alle Angriffe wurden abgeschlagen. Nur an einer Stelle hatten die Russen Erfolg. Gegen das schwache 11./Regiment 18 rollten in verschiedenen Rudeln 60 Panzer an, der Bataillons-Kommandeur war verschüttet und die Schützenlöcher zerschossen oder zugewalzt. Artillerie, Pak, Sturmgeschütze und schwere Waffen schossen, was sie konnten, ein Teil von ihnen fiel durch Treffer aus. Auch die deutsche Luftwaffe setzte sich kräftig ein. Doch hier gelang dem Feinde ein Einbruch, der sich zum Durchbruch weitete. Hauptmann Rhein versuchte aus eigenem Entschluß die Lage wiederherzustellen. Aus seinem Bataillon (1./18) zog er Teile heraus und griff zusammen mit den Resten des 11./Luftwaffen-Lehr-Regiments Moskau den Gegner in der Flanke an. Aber sein Angriff und der der 87. Division brachte nur kurze Zeit Entlastung und stoppte den russischen Vorstoß erst an der Wolga. Damit war die 6. und 87. Division getrennt. Zwei russische Panzer-Brigaden, die 238. verstärkte durch Restteile zweier weiterer Panzer-Brigaden und die neu herangeführte 153. Panzer-Brigade, hatten den Angriff durchgeführt. Mindestens 64 Panzer blieben auf dem Schlachtfeld zerschossen liegen.

 

Am 25. August hielt die von der 6. Division mit der Front nach Westen und die von der 87. Division mit der Front nach Osten aufgebaute schwache Sicherungslinie die feindlichen Angriffe ab. In der Nacht zum 26. August bezog die 6. Division mit den ihr unterstellten Verbänden die vorbereitete Neu Kolberg-Stellung dicht vor der Stadt Rshew.

Am 26. August richtete sich der russische Angriff vor allem gegen die 87. Division. Hier gelang es dem Gegner, einen kleinen Brückenkopf auf dem Südufer der Wolga bei Snamenskoje zu gewinnen. Seine Versuche diesen Brückenkopf zu erweitern, scheiterten an der zähen verteidigung der 87. Division, die auf das Südufer hatte übergehen müssen. Weiter westlich wehrte die tapfere 251.Division (ab 27. 8.) starke Angriffe des Feindes ab. Tag für Tag Kampf und Rshew! Die Wucht und Gewalt des auf dieStadt nördlich der Wolga niederprasselnden Granaten- und Bombenregens erkannte man deutlich auf den Fliegeraufnahnwen.Innerhalb von 4 Wochen konnte man kein Haus und keineStraße mehr erkennen. Eine Kraterlandschaft entstand wie im 1. Weltkrieg an der Somme. So endete der August, und so ginges in den September hinein. Täglich rannten die Russen nach überaus starker Feuervorbereitung und Bombenangriffen von den frühen Morgenstunden an mit Infanterie und Panzern gegen den Brückenkopf Rshew an. Hier kämpften zäh und verbissen unter dem Kommandeur der 6. Division das Regiment 428 und 1./430 der 129. Division, die Reste des 1. und 11./18 sowie die des Regiments 37 der 6. Division und das Regiment 473 der 253. Division. Die 'eigene Artillerie, die eigenen schweren Waffen, die Verstärkungsartillerie (11./57, 808 und 848), die Sturmgeschütz-Abteilung 189, die Panzer-Jäger-Abteilung 561, die Flakkampftrupps des Flak-Regiments 4 und der 11./49, die Pioniere und die eigene Luftwaffe unterstützten vorbildlich den harten Kampf.

Das Kradschützen-Bataillon „Großdeutschland" unter Rittmeister Wätjen, bisher in Reserve, nahm am 21. September befehlsgemäß Verbindung mit der 6. Division in der Stadt Rshew auf, um sich über alle für sie in Frage kommenden Einsatzmöglichkeiten zu informieren. Am 22. September abends rückte es als Sicherheitsbesatzung in die Stadtrandstellung in Nordteil von Rshew ein. Die ganze Nacht regnete es Bomben. Wie auch schon vorher brachten die Tage nach dem 21. September Tag für Tag schwere Angriffe der Russen und Einbrüche mit Infanterie, Panzern, mit Flammenwerfern und Flammenwerferpanzern. Alle, Infanteristen und Pioniere, schlugen sich mit verbissener Wut, ließen sich überrollen und sprangen zum Gegenstoß vor. Besonders ist das tapfere Verhalten von Oberfeldwebel Schnitger vom Regiment 18 bei zahlreichen Gegenstößen zu erwähnen, der oft mit einer Handvoll Männern vorstürmte und den eingebrochenen Gegner herausschlug. Alle Einheiten hielten sich in diesem mörderischen Ringen über jedes Lob erhaben, bis sie zu Schlacke ausgebrannt waren, so das 1./18, 1./37 und Pionierbataillon 6, die vom II. Bataillon 252 der 110. Division abgelöst wurden, schnell aufgefrischt, wieder in den Abwehrkampf treten mußten.

 

Besonders hartnäckig wurde am 27. September gerungen. Um 4.00 Uhr gelang es den Russen, am Stadtgut Rshew einzubrechen. Nach mehrstündigem blutigen Kampf konnten die Regimentsreserve 473 und eine Schwadron der Kradschützen „Großdeutschland", unterstützt durch Panzer und den Sturmgeschützen der Abteilung 189, den Gegner zurückwerfen. Mehrere feindliche Bereitstellungen zerschlug unsere wachsame Artillerie. Ein anderer Einbruch an der Nordostecke der Stadt konnte trotz wiederholter tatkräftiger Versuche zwar eingeengt, aber nicht völlig beseitigt werden. Der Gegner schob in diese Beule trotz großer Verluste immer neue Kräfte nach, die sich blitzschnell eingruben. In Granattrichtern eingegrabene Feindpanzer, die kaum zu sehen und zu bekämpfen waren und die durch ihre Flachschüsse oft verheerend wirkten, zwangen die Stoßtrupps zu Boden. Jeder Angriff schlug fehl. Eigene Stukas warfen Bomben, eigene Artillerie schoß Punktfeuer, eigene Pak und Sturmgeschütze hämmerten auf den Feind, doch alles war umsonst, der Gegner wurde nicht vernichtet.

 

Am 2. Oktober um 5.05 Uhr traten das Panzer-Grenadier-Regiment 14, die 3./Panzer-Regiment 31 der 5. Panzer-Division, eine Panzerkompanie von „Großdeutschland" und die 2./Sturmgeschütz-Abteilung 189 zum Zangenangriff gegen diese Einbruchstelle an der Nordostecke der Stadt an. Trotz sorgfältigster Erkundung und Artillerie-Vorbereitung durch den ArtillerieKommandeur 126, durch die Artillerie der 6. Division und der Gruppe Langenbeck der 256. Division gelang der Angriff nicht vollkommen. Die Angriffsflügel erreichten ihr Ziel, die Mitte stieß aber auf besonders starken Widerstand aus einer tief gestaffelten, stark besetzten Feindstellung mit eingegrabenen Panzern und einer dicht besetzten Panzerabwehrfront und schließlich noch auf einen feindlichen Gegenangriff von Norden undNordosten. Hier blieb eine Einbuchtung, die abgeriegelt wurde. Nach Gefangenenaussagen hatte der Angriff den Feind überraschend getroffen und die für einen neuen Großangriff bereitgestellten Kräfte zerschlagen. Die Stärke des Gegners geht aus folgendem hervor: 113 Gefangene wurden eingebracht und zwar von 5 verschiedenen Divisionen (52., 215., 220., 369., 375.) und 2 Brigaden (30. mot. und Panzerabwehr 32). Der Feind hatte hohe blutige Verluste und verlor 12 Panzer und 9 Pak. Leider waren auch die eigenen Ausfälle hoch, besonders an Panzern, die in dem um und um gewühlten Trichtergelände schwer vorwärts kamen.

Ab Mitte Oktober klangen die russischen Angriffe ab. Die Stadt Rshew blieb fest in deutscher Hand.

Der Kampf im Raum nordostwärts Ssytschewka

Erst Ende Juli 1942 hatte das XXXXVI. Panzer-Korps auf Befehl der Heeresgruppe Mitte einen ruhigen Abschnitt von etwa 100 km Länge übernommen, der von ostwärts Ssamujlowo bis Gridino reichte und von der 342., der 36. mot., der 161. und der 14. mot. Division besetzt war. Eine operative Reserve fehlte. Das bisher ruhige Feindbild änderte sich bald. Bereits am 25. Juli erkannte man auffällige Bewegungen im Feindgelände, die die Russen im Gegensatz zu ihrem früheren Verhalten in keiner Weise tarnten. Am 29. Juli kündigte der Gegner sogar zweimal durch Lautsprecher den russischen Angriff für den 30. Juli an, der dann auch, wie bereits geschildert, am 30. Juli gegen das Vl. Korps begann. Die Angriffe am gleichen Tage gegen den linken Flügel des Panzerkorps nördlich der Wolga, die nur zu unbedeutenden kleineren Einbrüchen von wenigen 100 Metern führten, konnten in den nächsten Tagen durch Gegenangriff beseitigt oder abgeriegelt werden.Am 4. August brachen in den frühen Morgenstunden die Russen zum entscheidenden Stoß mit noch stärkeren Kräften und mit noch zahlreicheren Panzerverbänden als bei Rshew gegen die 161. und den linken Flügel der 36. mot. Division beiderseits Pogoreloje Gorodischtsche vor. Jede Feinddivision hatte nur eine Gefechtsbreite von 1 - 2 km, die drei Regimenter hintereinander gestaffelt. Ihr standen etwa 2 Panzerbrigaden mit ca 80-100 Panzern zur Verfügung. Weitere Divisionen lagen dahinter bereit. Auf deutscher Seite verteidigte eine Kompanie einen Abschnitt von 1-2 km.

 

 

 

Ein gewaltiges Granatfeuer von Artillerie, Granatwerfern und Stalinorgeln, verstärkt durch Bomben und Bordwaffenbeschuß der russischen Luftwaffe, prasselte auf die deutschen Verteidiger herab. Dann rollte Panzerrudel auf Panzerrudel vor und überfuhr die dünnen weitgespannten Linien der deutschen Einheiten, die durch diesen unvorstellbaren Granathagel zerstampft und zerschlagen waren. Bereits am Nachmittag des 4. August zeichneten sich zwei Stoßrichtungen des Gegners ab, die eine nördlich Pogoreloje zielte auf Subzow (russische 31. Armee) und die andere weiter südlich in Richtung Ssytschewka (russische 20. Armee). Trotz des hingebungsvollen Einsatzes aller Kämpfer und Waffen gelang es nicht, den feindlichen Angriff zu stoppen. Die Lage war äußerst kritisch und die Front aufgespalten.

Die Nordgruppe des Gegners näherte sich am 5.August Subzow, und andere Teile durchschnitten die wichtige Nord-Südstraße Karmanowo-Subzow und damit die Verbindung des Panzerkorps zur 161. und 14. mot. Division. Eine Führung dieser beiden Divisionen war für das Korps nicht mehr möglich, sie traten unter den Befehl des Nachbarkorps. Die Russen drehten, um die Flanke ihres südlichen Stoßkeiles zu decken, mit 4-5 Divisionen und Panzerbrigaden nach Süden gegen Karmanowo, dem Gefechtsstand des XXXXVI. Panzer-Korps, ein und drangen weiter vor. Eisern hielt die 36. mot. Division unter General Gollnick ihre Stellung. Tropfenweise traf die 2. Panzer-Division ab 5. August ein und mußte so, wie die einzelnen Teile gerade ankamen, in die Schlacht geworfen werden. Sie konnte aber nicht mehr den Anschluß an die 36. mot. Division gewinnen. Die eigene Luftwaffe setzte sich rücksichtslos ein, zerschlug feindliche Massierungen, es gelang ihr aber nicht, den Angriffsstrom der Russen aufzuhalten. Mit größter Bravour focht, auf das Äußerste bedroht, die 36. mot. Division und hielt den Eckpfeiler Wosskressenkoje bis zum 7. August abends. Am gleichen Tage setzte auch der russische Angriff mit 3 Schützendivisionen, 3 Schützen- und etwa 4 Panzerbrigaden (meist neue amerikanische Panzer) gegen die rechte Division (342.) des Panzerkorps ein. Seit mehreren Tagen hatten sich die Anzeichen verdichtet, daß auch die russische 5. Armee am linken Flügel der 342. Division in die Offensive eingreifen wollte.

Der russische Einbruch bedrohte die Nachschubstraße Ssytsciewka-Subzow und die Eisenbahnlinie Ssytschewka-Rshew. Hier war rascher Einsatz von beschleunigt herangeholten Verbänden dringend erforderlich.

Das Infanterie-Regiment 84 der 102. Division wurde am 31. Juli in Olenin verladen und zur 4. Armee abtransportiert. Unterwegs zweigte man die 5. und 8. Kompanie des Regiments 81 ab und setzte sie ostwärts Rshew ein. Beide Kompanieführer fielen. Näheres ist nicht bekannt. Südlich Besdon-Spas Demensk wurde am 2. August das Regiment 84 ausgeladen, nach einem Marsch von etwa 40 km am 3. August zurückbefohlen, in Spas Demensk in Ju 52 (ohne Fahrzeuge) verladen und nach Ssytschewka, geflogen.

Die erste in Ssytschewka ausgeladene Kompanie (1./84) unter Oberleutnant Biewald erhielt vom Chef des Generalstabes der 9. Armee etwa folgenden Befehl: Die Kompanie erreicht vom Bahnhof Ossuga Markowo (12 km nördlich Ossuga) oder, falls diese Ortschaft bereits feindbesetzt, den Waldrand dicht westlich Tschaschnikowo. Hier ist zu halten. Das Halten ist sehr wichtig, da durch Verlust des Bahnhofs Ossuga die Versorgung der bei Rshew kämpfenden Truppen unterbrochen wird.

 

Sehen zie auch das PDF-document von David Khan uber die rolle des Erkundigungen bij Ossuga. The Defense of Osuga, 1942

 

Sieben Kilometer nördlich Markowo steht die Kampfgruppe Bülowius, weiter südlich ist keine Truppe.

1.00 Uhr früh fuhr die 105 Mann starke 1. Kompanie am 5. 8. von Ssytschewka ab und erreichte in der Morgendämmerung den Bahnhof Ossuga. Uberall standen dort russische Soldaten, die sich erfreulicherweise als eigene Kosaken herausstellten und die Bahn sicherten. 9.00 Uhr erreichte die Kompanie den Waldrand westlich Tschaschnikowo und igelte sich ein. Eigene Aufklärung stellte Feind in Markowo fest. Bereits ab Mittag griff schwacher Gegner die Kompanie verschiedentlich an. Mit blutigen Köpfen zogen sich die Russen zurück. Eifrig schanzte die Kompanie während der Nacht, sie hatte noch keine schwere Waffe und kein Fahrzeug, und der nächste Tag mußte ihr harte Kämpfe bringen. So war es auch.

 

 

 

Am folgenden Morgen schoß sich der Feind mit Artillerie und Granatwerfern ein und dann folgten sieben Angriffe. Einbrüche des Gegners beseitigte. die tapfere Kompanie im Nahkampf. Einem Verbindungsspähtrupp der Gruppe Bülowius gab die Kompanie die Bitte um Unterstützung durch schwere Waffen mit. Bereits um 19.00 Uhr traf eine 2 cm Vierlingsflak ein, die mit sichtbarem Erfolg eine russische Beobachtungsstelle in der Kirche Tschaschnikowo und auch andere Ziele bekämpfte und die Kompanie wesentlich entlastete. Leider mußte die Flak bei Dunkelheit wieder zurückfahren, Die Kompanie hatte durch die Kämpfe so große Ausfälle gehabt, daß als Reserve nur noch der Kompanietrupp zur Verfügung stand. Auch waren durch Volltreffer mehrere Maschinengewehre ausgefallen. Bange Fragen stürmten auf den Kompaniechef ein: Was wird der Feind unternehmen, kann die Kompanie morgen noch halten? Kein Munitionsersatz! Mit Munition war noch mehr als bisher zu sparen. Jeder Schuß mußte ein Treffer sein. Allein auf sich gestellt kämpfte die Kompanie.

Noch bei Dämmerung griffen die Russen am 7. August an. Ein Angriff folgte dem anderen. Einbrüche schlug Biewald an der Spitze seines Kompanietrupps im Gegenstoß zurück. Bis in den Nachmittag hinein wogte so der Kampf, der nur noch 22 Mann starken Kompanie, hin und her, dann traf vom Regiment 84 der Befehl ein, sich auf das Regiment zurückzuziehen. Während der Vorbereitungen hierzu griff der Feind erneut mit starken Kriften an und warf die Kompanie aus ihrer Stellung. Ihre Kraft war verbraucht. Inzwischen aber hatte am 6. August das 1. Bataillon Ossuga erreicht, dann das ganze Regiment 84 und schließlich die 102. Division. Die Kompanie hatte ihren Auftrag erfüllt und in wahrhaft heldenhaftem Einsatz die ungestörte Versorgung von Rshew gesichert.

Die Reiter-Schwadron der Aufklärungs-Abteilung 6 marschierte am 6. August von Rshew nach Ossuga, um die Bahnstrecke nördlich des Bahnhofs in einer Ausdehnung von 9 km zu sichern. In diesem langen Abschnitt konnte die Schwadron nur einzelne Stützpunkte besetzen. Eigene Aufklärung stellte am B. August fest, daß die Russen die Ossuga nach Westen überschritten hatten. Bereits in den ersten Morgenstunden des 9. August stand der Gegner in den Waldstücken westlich und nordwestlich Starosselowo, 4 km ostwärts der Eisenbahn. Bald kam es an der Eisenbahn und westlich davon bei Schalamowo zum Kampf. Die Versorgungsbahn der 9. Armee war unterbrochen. Tapfer kämpften die Reiter gegen den zahlen- und waffenmäßig weit überlegenen Gegner. Schwere Krisen entstanden! Der in Rshew stationierte Eisenbahn-Panzerzug griff verschiedentlich mit sichtbaren Erfolg in diesen Kampf ein.

 

 

 

Bis zum 11. August dauerte dieses schwere Ringen, in dem das verloren gegangene Dorf Schalamowo im harten Nahkampf wiedergenommen, und der Feind zum größten Teil vernichtet wurde.

Das Regiment 195 der 78. Division kam im Eisenbahn-Transport nach Ossuga und trat unter den Befehl der 102. Division (General Frießner). Am 12. August griff die Division, auf dem linken Flügel das Regiment 195, den Feind im Waldgebiet nördlich Ossuga an, warf ihn zurück und schloß die Lücke zu der weiter nördlich stehenden deutschen Front. Das Regiment 195 schlug am 14. und 15. August 8 starke russische Angriffe ab und vernichtete 7 Feindpanzer. Zurück zum Kampf der 36. mot. und 342. Division.

Bis zum 10. August gelang es der 2. Panzer-Division südwestlich Wosskressenskoje (in der Linie Kriwzy - Gladkoje - Lebdki) eine Riegelstellung aufzubauen und links lose Fühlung mit der aus dem Raum Spas Demensk an die Gshatj hereingeworfene 1. Panzer-Division aufzunehmen. Hier kämpften ihre Teile zusammen mit dem Pionier-Bataillon 85 und Reichsarbeitsdienst tapfer gegen übermächtigen Feind. Täglich rannte der Gegner mit 2-3 Schützendivisionen und dem VIII. Panzerkorps (etwa 5 Panzerbrigaden, dabei ganz neue kanadische Panzer) gegen die deutschen Linien an. Die eigenen Verluste stiegen und die deutsche Verteidigungslinie wurde immer dünner. Zwar vernichtete die 2. Panzer-Division allein am 9. August 64 Russenpanzer und auch die Flakkampftruppe des FlakRegiments 10 zahlreiche Tanks, aber der Gegner hatte schier unerschöpflichen Ersatz.

Im Angriff gegen die 342. Division versuchte der Feind, das Höhengelände von Karmanowo von Norden und Osten zu nehmen. Die Lage war hier noch bedrohlicher. Am 9. August konnten die feindlichen Vorstöße im wesentlichen abgewehrt werden, aber am 10. August glückte den Russen ein breiter Einbruch am linken Flügel der 3-12. Division, der die Zurücknahme der Front hinter die Jausa erzwang.

Weit vorwärts stand weiterhin die 36. mot. Division und wehrte bei offener linken Flanke zur 2. Panzer-Division Feindangriffe von Norden ab. Jetzt stießen dort starke russische Kräfte nach Süden und Südosten vor, und schließlich wurde diese tapfere Division durch nach Nordwesten vorgehenden Feind im Rücken bedroht. Sie war so gut wie eingekesselt und erhielt den Befehl zurückzugehen. In der Nacht vom 10./11. August kämpfte sie sich den Weg nach Süden frei und kam ohne große Verluste heraus. Eine Glanzleistung der Truppe, deren Tapferkeit und Disziplin sich hervorragend bewährte.

 

 

 

 

Besonderes Lob verdient auch der Divisions-Kommandeur, General Gollnick, dessen kaltblütige und umsichtige Führung diese schwere Aufgabe meisterte. Der Feinddruck gegen die 2. Panzer-Division von Norden und Nordwesten hielt an und ebenso die Angriffe gegen die 342. Division in Richtung Ssamujlowo und Karmanowo. Ostwärts Karmanowo kämpfte das verstärkte I1./113 der 1. Panzer-Division. Es wurde im Laufe der schweren Schlacht fast aufgerieben und kam am 28. August mit nur einem Offizier und 12 Mann zu seinem Regiment zurück. Auch die Masse des Regiments 215 der 78. Division sowie zwei Bataillone des rechten Nachbarkorps mußten in dieses schwere Ringen hineingeworfen werden.

 

Anfang August war die 78. Division aus dem Raum Juchnow, 80 km südostwärts Wjasma, zur Rshew-Schlacht herangeholt worden. Das verstärkte Regiment 195 kam, wie erwähnt, zur 102. Division, das verstärkte Regiment 215 auf den linken Hügel der 342. Division, das II. Bataillon des Regiments 215 wurde, von seinem Regiment abgetrennt, bei der 1. Panzer-Division an der Gshatj eingesetzt. Mit etwa einem Drittel ihrer Truppen erreichte die 78. Division am 11. August früh bei Ssamujlowo den Abschnitt der 342. Division. Diese Division, stark angeschlagen, war im Zurückgehen. Drei deutsche Bataillone waren von den Russen westlich der Jausa in Schelomki und Krutije eingeschlossen. Weiter nördlich kämpfte das Regiment 215 (ohne II.) gegen den mit zahlreichen Panzern angreifenden Gegner bei Nossowyje. Hier wurde das 1./215 fast eingeschlossen. Sofort sandte die 78. Division das Pionier-Bataillon 178 zur Verstärkung dorthin. Noch am gleichen Tage (11. 8.) traten um 16.00 Uhr die beiden Bataillone des Regiments 14, unterstützt durch eine Abteilung des Artillerie-Regiments 178, zur Befreiung der eingeschlossenen Bataillone der 342. Division an. Die zu durchschreitenden Waldwege waren grundlos, so daß für drei Kilometer zwei Stunden benötigt wurden. Gegen 19.00 Uhr trafen die Bataillone 14 auf den Feind, griffen mit unerhörtem Schwung an, warfen die Russen zurück und hatten nach 11/2 Stunden die eingeschlossenen Truppen befreit.

Das von der rechten Nachbararmee (3.Pz.A.) zugeführte verstärkte Regiment 479 (Kampfgruppe Wolkowitz) wurde ebenfalls zwischen der 342. und der 36. mot. Division eingesetzt. Hier drängte der Gegner am schärfsten von Osten her auf sein Ziel Karmanowo vor. Von starken russischen Kräften (19. Schützen-, 1. Gardeschützen-Division, 154. und 161. Panzerbrigade) in der Front angegriffen und in der Flanke bedroht, hatten die deutschen Verbände einen sehr schweren Stand. Ein wahnsinniges Artilleriefeuer - bis zu 9 000 Granaten an einem Tage - trommelte auf die deutschen Verteidiger herunter, verstärkt durch Bomben und Feuer der sehr starken und regen feindlichen Luftwaffe. Südlich Schelomki blieben am 12. August 55 Feindpanzer, von denen allein Stabsfeldwebel Barth mit seiner Pakbedienung 30 erledigte, zerschossen auf dem Schlachtfeld liegen.

In den folgenden Tagen durchbrach der Gegner die Versorgungsstraße Ssamujlowo-Karnanowo. In diesem Kampf bewährte sich besonders das Regiment 479, das zwei Dörfer zurückeroberte. Bei der 36. mot. Division, die in einem nach Nordosten vorspringenden Bogen lag, bildete sich um den 15. August ein russischer Angriffsschwerpunkt heraus. Hier wollte das russische VIII. Gardekorps von Nordosten Karmanowo gewinnen. Ebenso schwer hatte die 2. Panzer-Division zu kämpfen. Nördlich und nordwestlich Karmanowo stürmten die Russen pausenlos vor. Angriffe, Einbrüche und Gegenstöße wechselten, und langsam drückte der Gegner die zusammenschmelzenden deutschen Kräfte auf Karmanowo zurück. Als am 21. August die Luftmeldung einging, daß der Feind starke Kräfte von Norden (etwa 700 Fahrzeuge und 40 Panzer) heranführte, faßte das XXXXVI. Panzer-Korps den schweren Entschluß, die Front mit Genehmigung der Armee zurückzunehmen und Karmanowo aufzugeben. In schweren Kämpfen, bei denen 20 Feindpanzer abgeschossen wurden, gelang am 22. und 23. August das Absetzen. Der Gegner folgte nur zögernd, und am 24. August früh stand das Panzer-Korps in der neuen Linie. Damit war das Ausweichen in diesem Abschnitt endgültig beendet, aber nicht die Sorgen und Kämpfe. Die folgenden Angriffe der Russen wurden von den deutschen Verbänden abgewiesen, wobei die Artillerie häufig feindliche Bereitstellungen zerschlug und die eigene Luftwaffe wie in allen vorangegangenen Tagen in den Erdkampf wirkungsvoll eingriff. Am 4. September scheiterte der letzte Angriff des Gegners mit starken Infanterie- und Panzerkräften. Vor dem Panzer-Korps lagen 460 zerschossene Feindpanzer, davon 131 von der 78. Division vernichtete, und weitere 77 vom Flakregiment 10.

Am 13. August begann bei der südlich anschließenden 3. PanzerArmee die russische Offensive. Der Gegner konnte auch hier etwas Gelände gewinnen, aber den erstrebten Durchbruch auf Wjasma erreichte er trotz seiner Überlegenheit an Menschen und Material gegen die tapferen Verteidiger in ihren weitgespannten Stellungen nicht.

Granatwerferfeuer, verstärkt durch Bomber und Jabos auf sie herabsausen ließen. Ja, sie griffen sogar selbst an, so daß Angriff auf Angriff prallte. Feuerüberfälle und ausgelegte Minen brachten der Panzer-Abteilung „Großdeutschland" Verluste, und Sumpfstellen zwangen sie auf engen Raum, den der Gegner mit Feuer überschüttete. Infolge der starken feindlichen Abwehr gelang es nicht, Tscherkassowo und Kostonossowo zu nehmen, aber der Angriff einer russischen Armee und eines russischen Panzerkorps war zum Stehen gebracht. Die Regimenter gruben sich ein. 13 Flugzeuge, 19 Panzer, 13 Pik und 2 Geschütze des Feindes waren vernichtet. Aber auch „Großdeutschland" hatte sehr schwere Verluste.

Nach verhältnismäßig ruhiger Nacht wurde der Angriff am 11. September fortgesetzt. Wieder setzte wie gestern schwerstes russisches Abwehrfeuer ein und wieder folgte ein russischer Angriff dem anderen. Nur mühsam kamen in einem zähen und verbissenen Kampf die deutschen Schützen langsam vorwärts. Beim linken Nachbarn, der 72. Division, ging Michewo verloren. Sofort eilte das Reservebataillon des Regiments 1 zu Hilfe. Vom 12. September ab versuchten die Russen immer wieder unter gewaltigem Einsatz von Infanterie- und Panzerkräften bei „Großdeutschland" durchzubrechen. Es gelang ihnen nicht, aber der eigene Angriff kam auch nicht vor. Es war ein verlustreiches, erbittertes Ringen auf beiden Seiten.

Am 22. September ging es dann endlich doch vorwärts. - Nach eingehender Vorbereitung und Unterstützung aller Waffen, einschließlich der deutschen Luftwaffe, erfolgte um 17.00 Uhr der Angriff, bei dem das Sturmpionier-Bataillon „Großdeutschland" die Hauptlast des Kampfes trug. Mit geballten Ladungen und Flammenwerfern brachen die Schützen und Pioniere in den Feind und stürmten das russische Bollwerk, die Friedhofshöhe, dicht ostwärts Tscherkassewo.

 

 

 

Das Gelände rechts und links wurde im Handgranatenkampf vom Gegner gesäubert, die gewonnene Linie ausgebaut und zur Verteidigung eingerichtet. Vergeblich rannten die Sowjets am 23. September gegen diese Stellung an. Am 30. September trat „Großdeutschland" mit ihrem Nachbarn, 72.. Division, zu einem von der Armee befohlenen Angriff an. Zuerst ging es gut vorwärts, dann aber konnte ein russischer Gegenangriff mit gewaltigen Feuerschlägen den linken Flügel der Kampfgruppe Grosser von „Großdeutschland" zurückdrücken. Im weiteren aufopferungsvollen Ringen gelang es schließlich doch noch das Angriffsziel und damit eine Verbesserung in der Hauptkampflinie zu erreichen, aber die eigenen Verluste waren schwer und der besonders bewährte Regiments-Kommandeur vom Regiment 2% „Großdeutschland", Oberst Garski, erhielt die tödliche Wunde. Diese Stellung hielt „Großdeutschland" rechts im Anschluß an die 129. und links an die 72. Division, bis sie zwischen dem 6. und 9. Oktober durch die 95. Division abgelöst und in den Raum Olenin zur Auffrischung verlegt wurde.

Auch im Raum Subzow klangen Mitte Oktober die russischen Angriffe ab.

Zehn lange Wochen stürzten Massen von Menschen und Material auf die immer mehr zusammenschrumpfenden deutschen Verteidiger. Gefährliche Krisen entstanden, die nur durch Antransport von 3 Panzer- und mehreren Infanterie-Divisionen beseitigt werden konnten. Diese Divisionen waren für den Einsatz bei der Heeresgruppe Süd vorgesehen gewesen. Bei den hierbei erforderlichen Transporten zeigten die Eisenbahner bei rollenden Fliegerangriffen auf Bahnlinien und Bahnhöfe den gleichen Mut und die gleiche Einsatzbereitschaft wie ihre Kameraden im feldgrauen Rock. Ohne Rücksicht auf die großen Menschen- und Materialverluste warfen die Russen immer neue Reserven und Panzer gegen die deutschen Linien, die sie mit ungeheuren Munitionsmengen zertrommelten und durch Einsatz ihrer Flieger mit Bomben und Bordwaffenbeschuß zu vernichten suchten. Hin und her wogte dieser Kampf, der sich zu der härtesten Belastungsprobe für Truppe und Führung steigerte. Die deutsche Front hielt. Dem Gegner war es zwar gelungen, südlich Subzow eine tiefe Beule in die deutsche Stellung zu schlagen. Er konnte ferner die Verteidiger bis an den Stadtrand von Rshew zurückdrücken und das Wolgaufer beiderseits der Stadt Rshew erreichen, aber sein Ziel, die beiden Bollwerke Ssytschewka und Rshew aus dem Block der 9. Armee herauszubrechen, erreichte er nicht. Die Stadt Rshew blieb fest in deutscher Hand. Sie wurde standhaft verteidigt durch die 6. Division mit den unterstellten Teilen der 129., 251. und 253. Division.

 

Die Sommerschlacht im Raum Rshew endete schließlich mit einem Abwehrerfolg der deutschen Führung und des deutschen Soldaten. Die Führung der Schlacht lag in den bewährten Händen des Generaloberst Model. Seine kämpferische Leidenschaft und die ungeheure Vitalität seiner Persönlichkeit übertrug er auf alle Personen seiner Armee. Er war die treibende Kraft. Aber nicht nur den ihm unterstellten Kommandeuren gegenüber setzte er seinen Willen durch. Auch vor Hitler vertrat er seine Ansicht sehr offen und anschaulich. Hitler imponierte es, daß Model aus eigener Anschauung die Verhältnisse an der vordersten Front übersah, persönlich örtlich eingriff, geschickt improvisierte und viele Krisen in eigenem tapferen Einsatz beseitigte. Auch gegen Hitler konnte Model sehr deutlich und laut werden. Er hatte Mut zum Widerspruch. Einmal wollte Hitler die Zuführung eines Panzerkorps in die Nähe der Gshatsk-Stellung haben, während Model das Korps in der Nähe von Rshew für besser hielt. Beide beharrten auf ihrem Standpunkt. Der Ton wurde immer lauter und Model immer erregter rief: „Mein Führer, führen Sie die 9. Armee oder ich." Hitler betroffen von dieser Schärfe, wollte durch Befehl seine Auffassung durchsetzen. Darauf Model sehr laut: „Das muß ich mir verbitten." Ratlos und entsetzt stand Hitlers Begleitung herum, einen derartigen Ton hatte sie Hitler gegenüber noch nicht erlebt. Hitler gab aber plötzlich nach: „Gut, Model, machen Sie's, wie Sie wollen, aber Sie haften mir mit Ihrem Kopf dafür, daß die Sache nicht daneben geht." Erleichterung auf allen Seiten. Hitler respektierte in Model den Mann von Können und Leistung. Dies allein erklärte, daß Flitter ihn nicht wegen seiner offenen Sprache zur Rechenschaft zog.

 

Die glücklich bestandene Abwehr war dem erneut bewiesenen Opfermut, dem unerschütterlichen Widerstandswillen und dem zähen Kampftrotz des deutschen Soldaten zu verdanken, der trotz unvorstellbarer Anforderungen, schlechter Witterung, manchmal fehlender Verpflegung, stellenweise ungünstigen Geländes seine Pflicht im Leben und Sterben tat. Er zeigte sich der Masse und dem Material des Feindes überlegen. Das Ergebnis der Schlacht. Die Russen verloren: 380 000 blutige Verluste, 13 770 Gefangene, 2 956 Panzer (vernichtet oder beschädigt), 45 Geschütze, 101 Pak und Flak, 227 Granatwerfer, 781 Maschinengewehre und 870 Flugzeuge, von denen die Infanterie 59 abgeschossen hatte.