DIE EINNAHME VON RSHEW
IM OKTOBER 1941

 

Am  2. Oktober 1941 trat die Heeresgruppe Mitte des Feld­marschalls v. Bock mit 3 Armeen (2., 4., 9.) und 3 Panzergruppen (2., 4., 3.) unterstützt von der Luftwaffe, zum entscheidungs­suchenden Stoß in Richtung Moskau an, auf dem linken Flügel die 9. Armee zusammen mit der Panzergruppe 3. In der Doppel­schlacht von Brjansk-Wjasma wurde der Gegner bis zum 13. Oktober vernichtend geschlagen. Der Wehrmachtsbericht meldete, daß die Russen 67 Schützen-, 6 Kavallerie-, 7 Panzerdivisionen, 663 000 Gefangene, 1242 Panzer und 5412 Ge­schütze verloren hätten.

Weiter ging der Stoß auf Moskau, hierbei die 9. Armee unter Generaloberst Strauß auf Rshew. Am 13. Oktober marschierte die 206. Infanterie-Division auf dem rechten Flügel des XXIII.Korps dicht nördlich der Eisenbahn Olenin-Rshew vor, voraus die verstärkte Aufklärungsabteilung 206 unter Rittmeister Weitkunat. Feindlicher Widerstand bei Laptewo wurde ge­brochen und der Gegner, der gerade beim Einrücken in eine vor­bereitete Stellung war, geworfen. Die schweren Waffen der Ab­teilung unterstützten den Kampf äußerst wirkungsvoll und zwangen den Feind zum Zurückgehen. Die Russen, die zum Teil noch Gegenstöße machten, wurden in der Masse ver­nichtet. Zwei Lastkraftwagen mit aufmontierten VierlingsMaschinengewehren, die die Lage zu ändern versuchten, wur­den erbeutet, der dritte fuhr auf eine eigene (russische) Mine. Nachdem die Stellung bei Bykowa überrannt war, zersprengte der Fliegerabwehrzug ein in Marschkolonne vorrückendes russi­sches Pionierbataillon. Dann zwangen die zunehmende Dunkel­heit und die Verminung des Vormarschweges zum Halt. Weit hinter der Aufklärungsabteilung folgte mit großem Abstand die Division, die noch durch verminte Wege und breite Panzer­gräben aufgehalten wurde.Am Abend stellte die eigene Luftaufklärung fest, daß die aus dem Wjasma-Kessel entkommenen Russen in langen Kolonnen den Brücken über die Wolga bei Rshew zueilten. Hauptaufgabe der 206. Division mußte es nun sein, diesen Russenkolonnen den Rückweg bei Rshew zu verlegen. Bereits um 2.00 Uhr, noch bei Dunkelheit, erreichte das vorderste Regiment 312 der 206. Division Laptewo, während die einsatzfreudige Aufklärungsabteilung unter ihrem tapferen Führer durch brennende Ort­schaften auf Murajewo vorstieß. Hier traf sie auf weit überle­genen Feind in gut ausgebauten Stellungen, der sie im Gegenstoß zurückdrückte. Bei Hellwerden schritt er zum regelrechten Gegenangriff, dem die Abteilung nicht gewachsen war. Erheb­liche Verluste traten ein. Auch Rittmeister Weitkunat wurde ver­wundet. Der von Osten herüberschallende Gefechtslärm beflügelte den Vormarsch des Regiments 312. Mit Schwerpunkt südlich der Straße Olenin -- Rshew griff es an und stieß aufeinen feindlichen Angriff, den der Gegner mit überlegenen Kräften, besonders an Artillerie, führte. Die eigene Artillerie war dagegen durch einen von Osten her wehenden Schneesturm in der Beobachtung schwer behindert. Neue Feindkräfte brachen gegen den linken Flügel des Regiments vor und zwangen es in die Verteidigung. Kurz nach Mittag (14. 10.) erreichte jedoch das Regiment 413 mit zwei Batterien das Kampffeld und griff südlich der Eisenbahn an. Es mußte sich stark nach Süden staf­feln, da immerwieder die Russen von dort aus den Waldstücken vorstießen. Feindliche Frontalangriffe und vermintes Gelände ließen das Regiment nur bis Tolstikowo vorkommen. Am 15. Oktober wendete sich das Blatt. Die Widerstandskraft der Russen war gebrochen. Als die beiden Regimenter 413 und 312 ihren Angriff fortsetzten, kamen sie ohne wesentlichen Wider­stand gut vorwärts und besetzten mit der gleichzeitig von Süden herangekommenen Aufklärungsabteilung der 26. Infanterie­Division die nun nicht mehr verteidigte Stadt Rshew. Der Korpsbefehl am 16. Oktober stellte fest: „Dem nie erlah­menden Angriff der 206. Infanterie-Division mußte der Feind die Stadt Rshew opfern."